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mediascapes » Weblogs

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Kommende Woche findet in Berlin die u.a. von Spreeblick organisierte Konferenz re:publica statt. “Es geht um Kultur” und “Leben im Netz” (letzteres der Titelzusatz, der uns natürlich an Sherry Turkles Klassiker erinnert), der Ankündigung ist des weiteren folgendes zu entnehmen:

Soziale Netzwerke, Blogs, Podcasts, Videocasts, Online- und Offline-Communities und -Services - all diese Aspekte werden bei der re:publica ebenso umfassend zur Sprache kommen wie Hintergründe, die Philosophie, die Prinzipien, die rechtlichen Grundlagen der sozialen (R)evolution im Netz.

Leider kann aus Zeitgründen niemand von uns teilnehmen — aber sicherlich wird die Hoffnung auf Zusammenfassungen und Berichte in Blogs, Videomitschnitte und Podcasts nicht enttäuscht. Es geht damit quasi auch schon los: Nicole Simon hat einige der Teilnehmer vorab via Skype interviewt und die Gespräche als Podcasts auf ihrem Blog beissholz.de veröffentlicht.


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…. ist sicherlich einer der Aspekte, die sich unter dem Stichwort Web2.0 versammeln. Ohne groß ins Detail zu gehen hier ein youTube-Fundstück von einer “…working group of Kansas State University students and faculty dedicated to exploring and extending the possibilities of digital ethnography.”[mediatedcultures.net] Das Video stammt von Prof. Michael Wesh:

Wesh konzentriert sich hier auf die Positives rund um den “connecting people”-Aspekt, was für das ethnologische Zielpublikum auch so gerechtfertigt ist, denn hier liegt durchaus eine Chance auf mehr Öffentlichkeit und neue, spannende Forschungsfelder.


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Ein Text-Experiment

Über die Authentizität der PR gibt es wahrscheinlich keine ausdrucksvollere Äußerung als die eines nordamerikanischen Bloggers, der den Unterschied zwischen PR- und eigenem Denken mit den Worten umschrieb:

Ihr sprecht über Blogger, wir sprechen zu und mit ihnen.

Alle PRler sprechen über etwas, sei es über ihre Kunden und Produkte, sei es über sich selbst oder über ihre Sicht von den Bloggern. Die darin grundlegend enthaltene Verfälschung und Inauthentizität ist nicht wirklich zu überwinden. Verschiedene Praktiker haben jedoch versucht, dieses Problem soweit wie möglich zu bewältigen, ohne dass in der PR-Literatur das Problem der Authentizität zum Kernproblem erklärt worden ist - obwohl es metaphorische Äußerungen sowie eine Behandlung der Themen lange vor der Edelman-WalMart-Kontroverse und bereits einige Zeit bevor der Toplisten-Diskussion gab.
Der Versuch, dieses Dilemma zu überwinden, wird unternommen über eine “teilnehmende PR”, bei der die Agenturen selbst beginnen Weblogs zu führen und/oder sich bekannte Blogger ins Haus holen. Hat das Zwitterwort von der teilnehmenden PR eine Berechtigung? Teilnahme, verstanden als Engagiertsein und Sich-zur-Verfügung-Stellen, bewahrt den PRler scheinbar davor, die Blogger zu Werbe-Zielgruppen zu erniedrigen und damit auch sich selbst und die Branchenkollegen zum “Unmenschen” zu deklarieren, was reine PR, abgesehen von dabei wirklich vorkommenden kognitiven Verzerrungen, als Resultat zeitigen würde. Während Teilnahme also die Aufrechterhaltung des Anspruchs jeder Agentur auf ihre Eigenständigkeit garantiert, untermauert das gleichzeitige Blogmonitoring, geleitet vom Werbe- und Marketingideal, die Vergleichbarkeit der Sichtweisen. Durch Mitteilung wird außerdem die Funktion der Emanzipation, d.h. kritische Reflexion, beim PRler wie bei den Bloggern gewährleistet: Man schreibt nicht nur über die anderen, sondern auch für und an sie.
Die dadurch gleichzeitig entstehende Nähe und Ferne (weiterhin gilt es eigene Themen zu setzen), lässt jedoch die Frage nach “Objektivität” und “Unabhängigkeit” (bzw. der subjektiven Authentizität des PR-Bloggers) weiterhin offen. Anstatt diese jedoch kritisch durch die Beschränkung auf den Erlebenszusammenhang zu verneinen oder zu bezweifeln, sollte sie vielmehr in den Mitteilungszusammenhang verlegt werden: So würde eine grundlegende Kommunikationsebene für PRler, Blogger und Öffentlichkeit (zu welcher wiederum auch die Blogger selbst gehören) installiert. Blogger haben eine Theorie über ihre Blogkultur, über welche sich der PRler eine zweite Theorie konstruiert. Beide sollten, um Authentizität wie auch Emanzipation zu garantieren, in der Mitteilung idealerweise getrennt werden. Die entstehenden reflexiven Prozesse der Selbstentdeckung und Selbstfindung (was ist unsere Blogkultur? welche PR akzeptieren wir? auf Seiten der Blogger; was ist unsere daraus resultierende Geschäftspraxis? auf Seiten der Agenturen) vermeiden eine einseitige Dichotomisierung: Üblicherweise sei der PRler ein Kritiker im eigenen Hause und ein Reaktionär in der Welt der Blogger.
Dieses interne Reden über Blogger als Zielgruppen bleibt jedoch ein bestehendes Problem, da man über niemanden reden kann wie sich dieser selbst sieht - ganz davon abgesehen, dass es sich bei der Blogosphäre um ein ausgesprochen heterogenes Feld handelt. Zentrale Frage bleibt also auch bei der teilnehmenden PR das Wie und die angemessene Unternehmensethik. Die Blogger als gleichberechtigte Partner anzuerkennen, eigene PR-Ziele aber nicht zu verleugnen, also nicht durch kritiklose und reaktionäre Adulation des anderen in die von Max Weber kritisierte “Ethik der Würdelosigkeit” zu verfallen, ist eine weitere Möglichkeit, durch die der PRler bewußt seine eigenen “Vorurteile” auf den Tisch legt, in Teilnahme wie in Mitteilung sich exponiert, sich aufs Spiel setzt, sich den Bloggern und dem Bloggen öffnet, um die fremde Medienkultur zu verstehen und das eigene Job-Verständnis den Webloggern näher zu bringen, bzw. das eine auf das andere einwirken zu lassen. Ein entsprechendes Mantra könnte also lauten:

Authentic PR will not make careers out of alienation: We will understand ourselves and our world only by seeking to CHANGE OURSELVES!

Es muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass der Preis für diese Veränderung und das Niederreißen von Gedankenbarrieren in der klassischen PR als Test der Authentizierung eben von einer jenen PR, die sich um die Sicherheit ihrer Resultate Sorgen macht anstatt sich um die Bedeutsamkeit der Resultate zu kümmern, für zu kostspielig und risikoreich angesehen wird. Dies verweist uns dann auf das wirkliche Dilemma der Gebrochenheit oder der potentiellen und nie auszulöschenden Inauthentizität der Public Relations: Entweder man ist PRler nach klassischem Business-Kanon, dann kann man nicht von Authentizität, sondern nur von reliability/validity sprechen; oder man sucht nach Bedeutungsträchtigkeit durch Rückbezug auf sich selbst, dann gehört man nicht mehr zum anerkannten PR-Proficlan und verliert ggfs. Kunden, z.B. da man deren Produkte nicht mehr gewissensbefreit bewerben kann oder will (Bsp. Pharmabranche). Jedoch ist eine authentische Weblog-PR ohne eine Hinwendung auf einen gewissen transzendentalen Wert eben nicht möglich, wie uns alle bisher bekannten gescheiterten Versuche zeigen. Das bedeutet, dass der PRler eben nie ganz sich der “Selbstironie” noch ganz dem “schöpferischen Akt” hingeben kann; im ersten Fall wäre er zu distanziert, im zweiten zu befangen. Andererseits ist eben die Ironie, insbesondere die Selbstironie, genau das Heilmittel gegen das, was ein schlauer Mann einmal als das priesterliche, allwissende Gebaren der PR bezeichnet hat, während die Unsicherheit das Merkmal des Hofnarren bleibt. Der PRler, der authentisch bleiben will, wird sich wohl oder übel mit dieser Rolle des verunsicherten Verunsicherers begnügen müssen. Um von der eigenen Befangenheit loszukommen, muss er also in jene Befangenheit eines Teilnehmers an der Blogosphäre eintauchen, die seine Authentizität erst möglich macht. Die Unbefangenheit gegenüber sich selbst erreicht er aber nur durch das Risiko der dauernden Befangenheit in und Loyalität zur Blogosphäre.

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Völlig frei nach einer völlig frei gekürzten und zerwürfelten Version von:

Köpping, K.P. 1987. Authentizität als Selbstfindung durch den anderen: Ethnologie
zwischen Engagement und Reflexion, zwischen Leben und Wissenschaft. In H. P. Duerr (Hg.), Authentizität und Betrug in der Ethnologie. Frankfurt am Main: Surkamp, pp. 7-37.

Für solcherlei Text-Experimente, die ich ganz gerne mache und dabei einfach den ein oder anderen Begriff durch einen ein oder anderen ersetze, mache ich eine Kategorie auf.


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Vorbemerkung für jetzt und später:
Das Interview mit Lorenz animiert mich dazu, doch etwas mehr aus meinen bisherigen Texten und Notizen über Weblogs zu veröffentlichen. Was meine Fragestellungen an das Thema angeht, bleibe ich bloggend am Thema Weblogs dran (hier und da). Es folgt (wahrscheinlich) etwas zum Thema Field Blogs.

Mehr Öffentlichkeit für die ethnologische Perspektive

“Do you gnash your teeth at news stories about African “tribalism” or how some recently discovered gene “explains” human sexuality? Tired of yelling at the TV set? Newspapers won’t print your letters to the editor?” (Friedman 2004)

Viele Ethnologen haben ein Problem mit “den Medien”, jenen klassischen Medien wie TV und Print, die ihre Geschichten selbst bestimmen und aufgreifen. Ethnologische Themen finden dort selten statt. Viele der Gatekeeper versperren den Weg für komplexe Themen und Darstellungen. Gerade ethnologisch relevante Themen wie etwa die Auslandsberichterstattung leiden darunter. Kritikpunkte sind “(…) mangelnde Nachhaltigkeit, die Sprunghaftigkeit des Interesses, fehlende Zusammenhänge und der zum Teil verengte Blick auf die Weltkarte.” (Cipittelli 2002) “Krisenhopping” (Franzke 2002) ist das Kennzeichen der Berichterstattung, die dem Zuschauer ferne Ereignisse und Kulturen näher bringen will. Aber auch bei der Berichterstattung über “die Fremden” im Inland ist die Rolle der Massenmedien nicht zu unterschätzen, etwa bei Verfestigung rassistischer Haltungen in der Gesellschaft (vgl. Jäger & Link 1993: 12)
Um die Anerkennung der journalistischen Gatekeeper jedoch “(…) kann man nicht buhlen. Sie kommt oder kommt nicht”, meint Karl-Heinz Kohl (1999: 47), der die Ethnologie nicht für ein kurzes Interview auf einem TV-Sender prostituiert sehen will. Ethnologen schreiben lieber für einen kleinen Kreis von Fachkollegen (ebd.: 45), stellt er fest und in der Formulierung klingt zwischen den Zeilen mit, das sei wohl gut so. Kohl vertraut darauf, dass bei Bedarf der Journalist auf den Ethnologen zukommt, um sich fachliche Informationen einzuholen: “Als professionelle Wissensvermittler wissen Journalisten sehr wohl, was eine Nachricht wert ist und was nicht.” (ebd.: 47) Dies ist aber eher eine verklärende Idealvorstellung, denn gleich im nächsten Satz schreibt Kohl selbst: “Notwendig folgen sie dabei freilich den Gesetzen von Angebot und Nachfrage, denen auch der Medienmarkt unterliegt.” (ebd.)
Hans Fischer hingegen weiß gar nicht, was Ethnologen in den Medien wollen (Fischer 1999: 43). Er weiß dafür von seinem Ärger über die Medien zu berichten, dem auf persönlichen Erfahrungen beruhenden und jenem Ärger, der einen packt, wenn man am Kiosk Printmedien in die Hand bekommt “(…) die zur Hälfte mit Schrott angefüllt sind” (ebd.: 42). Eine Beschäftigung mit der Frage nach “Ethnologie in den Medien” führt ihn nur zu Reflexion über das Fach (ebd.: 44).
Dorle Dracklé entgegnet solch einer Ansicht: “Ethnologie ist nach wie vor weitgehend unbekannt, praxisrelevante Erkenntnisfelder werden in der Regel anderen Fächern zugeordnet. Um diesem Problem zu begegnen, genügt es nicht mehr, sich in in einem ewig währenden Prozeß ständig selbst zu befragen, was denn die Ethnologie eigentlich genau sei.” (1999: 278) Wir finden in den Ansichten von Kohl und Fischer jedoch die Angst davor, nicht ernst genommen zu werden (weil man zuerst betteln muss, um gehört zu werden) und davor, dass die komplexen Themen eines Faches, das in vielerlei Hinsicht noch mit sich selbst streitet, überhaupt nicht vermittelbar sind in einem typischerweise begrenzten Medienformat (wie beispielsweise einer politischen Talkshow).
Bisher bestand der praxisorientierte Ansatz der Medienethnologie darin, durch die Ausbildung der Ethnologen zu guten Kommunikatoren (mit einem medien- und kommunikationswissenschaftlichen Hintergrund), die Massenmedien in gewisser Weise zu infiltrieren. Susan Allen forderte den “Anthropologist as Media Anthropologist”:

“People who can communicate through media channels are amoung the most powerful forces on the planet (…). anthropologists — media anthropologists — can, and should, be included among this group. Who except media communicators have the channels, the skills, and, thus, also the choice of ‘writing us into the system’ (…)?” (1994: 145)

Die Dringlichkeit ihrer Forderung ergab sich durch die Erkenntnis, dass der Journalismus “(…) a conspicuously narrow vision” von Menschen und der Welt präsentiert, wodurch eine informierte und partizipierende Öffentlichkeit verhindert wird (ebd.: 146). Um dies zu verändern müssten Medienethnologen die ethnologischen Perspektiven einbringen “(…) through the selection of more diverse and broadly focused materials and, also, by reflecting larger contexts within the content of specific stories.” (ebd.: 147) Diese Perspektive sollte für Allen idealerweise holistischer und mehr auf Beziehungen gerichtet sein. Hypertext stellte für sie ein Beispiel dafür dar, wie Handlungen und Ereignisse nicht nur linear (Anfang, Mitte, Ende), sondern auch in die Tiefe gehend beschrieben werden können (Kontexte verknüpfen, Details besser einbeziehen). (ebd.: 157).
Eine umfassende Durchdringung der Medien durch gut ausgebildete Medienethnologen blieb jedoch offensichtlich bis heute aus. Hans Fischer stellt die rethorische Frage:

“Was wollen wir eigentlich in den Medien? Diese Gesellschaft bezahlt uns, zweifellos. Aber sind wir verpflichtet, ihr deshalb auf dem Kopf stehend Akkordeon vorzuspielen [sic]?” (1999: 43)

Gewiß sind Ethnologen dazu nicht verpflichtet, aber die weitgefächerte Themenvielfalt der Ethnologie kann sicher auch zu gesellschaftlichen Diskursen beitragen. Zu einer ganzen Reihe von Themen, bei denen sich über die Massenmedien vermittelt auch eine öffentliche Meinung herausbildet, hätte die Ethnologie durchaus etwas beizutragen: Zu Multikulturalität, Migration und Integration, zur Debatte um sogenannte “Parallelgesellschaften” und “Leitkultur”, zum Bild des Fremden in den Medien, zu Themen über andere Länder und Kulturen, zu dem durch die Massenmedien verstärkten “Kampf der Kulturen” (Huntington 1996). Bietet nicht gerade die heutige politische Weltlage genug Anlass dafür, die von Susan Allen geforderte ethnologische, tiefere und umfassendere Perspektive zu vermitteln? Über den Folterskandal von Abu Ghraib schrieb der Ethnologe Thomas Hauschild in der Frankfurter Rundschau:

“Die schrecklichen Bilder aus Irak haben einen Sinn, der endlich gelesen werden muss. (…) Es ist nur der erschreckenden ethnologischen und soziologischen Unbildung unserer Zeit zuzuschreiben, dass die seltsamen Exzesse und Bildbotschaften der Folterer nicht unmittelbar in ihrem Sinnzusammenhang gelesen wurden. (…) Die eigentliche Ethnographie von Al Quaeda haben wir den Aufsehern in Guantanamo überlassen. Nun müssen wir die Konsequenzen des hilflosen sexualisierten folklorischen Rassismus ertragen, wie er nun mal unter Laien überliefert wird. Die Spezialisten für das Studium der Kulturen wollten ja auch nach der postmodernen Kritik der siebziger und achtziger Jahre mit den weltstrategischen Niederungen nichts zu tun haben.” (2004)

Eine Ethnographie von Al Quaeda liefert auch Hauschild in diesem Artikel nicht. Aber er ermöglicht Fragestellungen danach, warum die Nachricht über Abu Ghraib und jene über Al Quaeda so schnell und weltweit als Medienereignisse verbreitet werden, dass (wie Susan Allen anmerkte) nur der schmale Blickwinkel übrigbleibt.
Machtprozesse schlagen sich in einer von Medien geprägten Gesellschaft ganz besonders in Medienereignissen und den Reaktionen darauf nieder (Dracklé 1999: 266). Wenn es Ethnologen aufgrund mangelhafter Öffentlichkeitsarbeit oder nicht formatgerechter Inhalte misslingt, die eigenen zeitgemäßen und gesellschaftsrelevanten Themen in die Medien einzubringen, dann bleibt immer noch die Möglichkeit der Reaktion auf die durch Massenmedien vermittelten Meinungen, Diskurse und politischen Debatten. Diese Option könnten engagierte, an gesellschaftlicher und politischer Debatte interessierte Ethnologen mittels der Weblogtechnik umsetzen. Man kann so nicht nur an bestehenden Diskursen teilnehmen, sondern ist auch in der Lage, ein eigenes Thema zu setzen. Viele Wissenschaftler anderer Disziplinen in den USA gehen bereits diesen Weg, dem mehr und mehr Anthropolgen folgen. Manchmal mit großem Erfolg, wie sich am Beispiel des Blog “Informed Comment” von Juan Cole sehen lässt. Die deutsche Blogosphäre ist erst auf dem Weg, an amerikanischen oder iranischen Entwicklungen anzuschliessen. Das MENAlog des Nahost- und Islamwissenschaftlers Henner Kirchner ist eines der ersten deutschen Blogs, das “kommentare und analysen zur entwicklung im nahen und mittleren osten” publiziert und damit ein ethnologisch relevantes Thema besetzt. Die Spannbreite reicht von Buchrezensionen bis zu tiefgehender Analyse aktueller Entwicklungen in der Region. Es ist aber illusorisch anzunehmen, dass durch das Publizieren eines Weblog Automatismen entstehen Themen in die Öffentlichkeit zu bringen.. Das Potenzial andererseits ist unverkennbar.
Aber es müssen nicht immer die großen Themen sein und bloggen heisst in erster Linie, eine Gemeinschaft aufzubauen und sich untereinander mit den eigenen Standpunkten auszutauschen. Thematisch gibt es keine Beschränkungen und auch die Furcht davor, ein Thema verkürzt darstellen zu müssen, entfällt. Internetnutzer suchen ja gerade die Hintergrundinformationen, die klassische Medien nicht bieten. Die Ethnologie sollte die Chance des Graswurzel-Publizierens ergreifen und anstatt sich in das System schreiben zu lassen, selbst in das System schreiben.

Literatur:
(in der Reihenfolge der Zitatabfolge)

Friedman, P.K. 2004. “Welcome to the Blogsphere: Stop Yelling At the Tv and Get Online!”. Anthropology News 45 (6): 25.

Cippitelli, C. 2002. Ausland im deutschen Fernsehen: Nur Krisen, Kriege und Katastrophen? Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik 13.07.2002. http://www.gep.de/gep-info_3366.htm

Franzke, M. 2002. Krisenhopping statt Kontinuität. Zeitschrift für Kulturaustausch 2002 (1): 12-17.

Jäger, S. & Link, J. 1993. Die vierte Gewalt. Rassismus und die Medien. Einleitung. In Dies. (Hg.), Die vierte Gewalt. Rassismus und die Medien. Duisburg: DISS.

Kohl, K.H. 1999. Um Anerkennung kann man nicht buhlen. In Presserat der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde (Hg.), Die Media-morphose der Ethnologie. Heidelberg: Institut für Ethnologie, pp. 45-47.

Fischer, H. 1999. Das Heil in den Medien. In Presserat der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde (Hg.), Die Media-morphose der Ethnologie. Heidelberg: Institut für Ethnologie, pp. 42-44.

Dracklé, D. 1999. Medienethnologie: Eine Option auf die Zukunft. In D. Dracklé & W. Kokot (Hg.), Wozu Ethnologie? Berlin: Reimer, pp. 261-290.

Allen, S. 1994. The Anthropologist as Media Anthropologist. In dies. (ed.), Media Anthropology: Informing Global Citizens. Westport: Bergin & Garvey, pp. 145-159.

Huntington, S.P. 1996. Kampf der Kulturen. München: Europa Verlag.

Hauschild, T. 2004. Das Wissen der Folterer. Frankfurter Rundschau online 17.05.2004.
http://www.fr-aktuell.de/ressorts/kultur_und_medien/feuilleton/?cnt=438999

Informed Comment

MenaLog


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Lorenz Khazaleh schreibt das unverzichtbare Weblog antropologi.info (Ethnologie in den Medien). Der Münchner ethnologischen Studierendenzeitschrift Ethnologik gab er ein spannendes Interview, in dem er vor allem über die Chancen für die Ethnologie spricht, das Internet zur Schaffung von mehr (interessierter) Öffentlichkeit zu nutzen. Leider war die Ausgabe bisher nur von der Münchner Fachschaft zu beziehen, ist nun aber online als PDF zugänglich. (mehr über die Ethnologik gibt es auch bei Lorenz zu lesen).