So wenig, wie hier auf unserem Blog geschieht, kann man sich denken, dass wir keine Zeit haben werden, hieran teilzunehmen - interessant klingt es aber allemal:

«Exploring Anthropology» - Perspectives on Interactions, Changes & Challenges
in Blaubeuren, vom 7. bis 11. November 2007

“MASN - The “Moving Anthropology Student Network” was set up with the aim of connecting anthropology students and graduates around the world. That is why we would like YOU to present your latest research, fieldwork and other experiences or interests in form of a paper-presentation, workshop/roundtable discussion or fringe event on our next conference and discuss them with other anthropology students from different countries. For further information about the MASN visit www.movinganthropology.org.”

Die Themen werden sein:
1. Anthropology of Media
2. Migration
3. Anthropology of the Senses
4. Anthropology of Crisis

Weitere Infos dazu auch hier. Die Deadline des Call for Papers ist der 3. September.

Die User sind immer weniger nur Medienrezipienten, sondern auch Akteure und Produzenten — sie arbeiten als Medienamateure. (…) Das Agieren von Medienamateuren und ihre Produkte in Online-Tagebüchern, Fotoalben, Vlogs, Mblogs soll auf die verschiedenen Formen von Wissensproduktion und politischer Diskurspraxis hin befragt werden. (…) Interessierte ForscherInnen sind eingeladen, bis zum 30.4.2007 eine kurze Skizze ihres Vorhabens zu schicken

Abgesehen davon, dass wir es bei den aktuellen Entwicklungen im “neuen Internet” (O-Ton Tagungsinfo) nicht nur mit Medien-Amateuren zu tun haben und abgesehen davon, dass längst unterschiedliche Prozesse eingesetzt haben mit denen sich bisherige “Amateure” kommerzialisieren und den Versuch unternehmen, ihre Vorhaben zu professionalisieren, könnte dies dennoch eine interessante Tagung werden. Die vorgeschlagenen Themenfelder lesen sich nämlich dann doch wieder interessanter:

Technologien des Selbst: Mediale Selbstdarstellungsstrategien und die Bedeutung für die Medienkultur/en zwischen Popkultur und kommerzieller Kultur um 1900 und 2000; Öffentlich/Privat: Grenzverschiebungen durch Medienamateure; Kommerzialisierung: Beziehungen zwischen Markt und Amateuren; Jugendkultur: Imagebildung, Musikszene, Habitus; Lifestyle und Schönheit: Rolle/n der weiblichen Medienamateure; Politiken: Partizipation der Medienamateure an der Politik der Bilder

–> Tagungsinfo auf EVIFA (findet statt vom 26. - 27.10.2007)

Interview mit Michael Wesh

21. Februar 2007

Michael Wesh hat mit seinem Web2.0-Video auch die Ethnologie ins Gespräch gebracht. Auf John Battelle’s Searchblog ist nun ein Interview mit ihm erschienen. Auszug:

For me, cultural anthropology is a continuous exercise in expanding my mind and my empathy, building primarily from one simple principle: everything is connected. (…) For me, the ultimate promise of digital technology is that it might enable us to truly see one another once again and all the ways we are interconnected. It might help us create a truly global view that can spark the kind of empathy we need to create a better world for all of humankind.

[via anthropology.info]

…. ist sicherlich einer der Aspekte, die sich unter dem Stichwort Web2.0 versammeln. Ohne groß ins Detail zu gehen hier ein youTube-Fundstück von einer “…working group of Kansas State University students and faculty dedicated to exploring and extending the possibilities of digital ethnography.”[mediatedcultures.net] Das Video stammt von Prof. Michael Wesh:

Wesh konzentriert sich hier auf die Positives rund um den “connecting people”-Aspekt, was für das ethnologische Zielpublikum auch so gerechtfertigt ist, denn hier liegt durchaus eine Chance auf mehr Öffentlichkeit und neue, spannende Forschungsfelder.

They’re bad and stupid

14. Januar 2007

Schon vor einiger Zeit bei Riemer entdeckt, aber es passt auch hier wunderbar, um nach Wochen der Stille auf mediascapes den Faden wieder aufzunehmen: Wie sehr ist unser Bild über Fremde durch die visuellen Medien geprägt? Eine Idee davon, oder zumindest einen Gedankenanstoß, liefert z.B. dieser Zusammenschnitt:

A trailer-esque montage spectacle of Hollywood’s relentless vilification and dehumanization of Arabs and Muslims. Inspired by the book “Reel Bad Arabs” by Dr. Jack Shaheen.
Out of 1000 films that have Arab & Muslim characters (from the year 1896 to 2000)
12 were postive depictions, 52 were even handed and the rest of the 900 and so were negative.

Erneut darüber gestolpert heute auf Ethno::Log.

Ein Text-Experiment

Über die Authentizität der PR gibt es wahrscheinlich keine ausdrucksvollere Äußerung als die eines nordamerikanischen Bloggers, der den Unterschied zwischen PR- und eigenem Denken mit den Worten umschrieb:

Ihr sprecht über Blogger, wir sprechen zu und mit ihnen.

Alle PRler sprechen über etwas, sei es über ihre Kunden und Produkte, sei es über sich selbst oder über ihre Sicht von den Bloggern. Die darin grundlegend enthaltene Verfälschung und Inauthentizität ist nicht wirklich zu überwinden. Verschiedene Praktiker haben jedoch versucht, dieses Problem soweit wie möglich zu bewältigen, ohne dass in der PR-Literatur das Problem der Authentizität zum Kernproblem erklärt worden ist - obwohl es metaphorische Äußerungen sowie eine Behandlung der Themen lange vor der Edelman-WalMart-Kontroverse und bereits einige Zeit bevor der Toplisten-Diskussion gab.
Der Versuch, dieses Dilemma zu überwinden, wird unternommen über eine “teilnehmende PR”, bei der die Agenturen selbst beginnen Weblogs zu führen und/oder sich bekannte Blogger ins Haus holen. Hat das Zwitterwort von der teilnehmenden PR eine Berechtigung? Teilnahme, verstanden als Engagiertsein und Sich-zur-Verfügung-Stellen, bewahrt den PRler scheinbar davor, die Blogger zu Werbe-Zielgruppen zu erniedrigen und damit auch sich selbst und die Branchenkollegen zum “Unmenschen” zu deklarieren, was reine PR, abgesehen von dabei wirklich vorkommenden kognitiven Verzerrungen, als Resultat zeitigen würde. Während Teilnahme also die Aufrechterhaltung des Anspruchs jeder Agentur auf ihre Eigenständigkeit garantiert, untermauert das gleichzeitige Blogmonitoring, geleitet vom Werbe- und Marketingideal, die Vergleichbarkeit der Sichtweisen. Durch Mitteilung wird außerdem die Funktion der Emanzipation, d.h. kritische Reflexion, beim PRler wie bei den Bloggern gewährleistet: Man schreibt nicht nur über die anderen, sondern auch für und an sie.
Die dadurch gleichzeitig entstehende Nähe und Ferne (weiterhin gilt es eigene Themen zu setzen), lässt jedoch die Frage nach “Objektivität” und “Unabhängigkeit” (bzw. der subjektiven Authentizität des PR-Bloggers) weiterhin offen. Anstatt diese jedoch kritisch durch die Beschränkung auf den Erlebenszusammenhang zu verneinen oder zu bezweifeln, sollte sie vielmehr in den Mitteilungszusammenhang verlegt werden: So würde eine grundlegende Kommunikationsebene für PRler, Blogger und Öffentlichkeit (zu welcher wiederum auch die Blogger selbst gehören) installiert. Blogger haben eine Theorie über ihre Blogkultur, über welche sich der PRler eine zweite Theorie konstruiert. Beide sollten, um Authentizität wie auch Emanzipation zu garantieren, in der Mitteilung idealerweise getrennt werden. Die entstehenden reflexiven Prozesse der Selbstentdeckung und Selbstfindung (was ist unsere Blogkultur? welche PR akzeptieren wir? auf Seiten der Blogger; was ist unsere daraus resultierende Geschäftspraxis? auf Seiten der Agenturen) vermeiden eine einseitige Dichotomisierung: Üblicherweise sei der PRler ein Kritiker im eigenen Hause und ein Reaktionär in der Welt der Blogger.
Dieses interne Reden über Blogger als Zielgruppen bleibt jedoch ein bestehendes Problem, da man über niemanden reden kann wie sich dieser selbst sieht - ganz davon abgesehen, dass es sich bei der Blogosphäre um ein ausgesprochen heterogenes Feld handelt. Zentrale Frage bleibt also auch bei der teilnehmenden PR das Wie und die angemessene Unternehmensethik. Die Blogger als gleichberechtigte Partner anzuerkennen, eigene PR-Ziele aber nicht zu verleugnen, also nicht durch kritiklose und reaktionäre Adulation des anderen in die von Max Weber kritisierte “Ethik der Würdelosigkeit” zu verfallen, ist eine weitere Möglichkeit, durch die der PRler bewußt seine eigenen “Vorurteile” auf den Tisch legt, in Teilnahme wie in Mitteilung sich exponiert, sich aufs Spiel setzt, sich den Bloggern und dem Bloggen öffnet, um die fremde Medienkultur zu verstehen und das eigene Job-Verständnis den Webloggern näher zu bringen, bzw. das eine auf das andere einwirken zu lassen. Ein entsprechendes Mantra könnte also lauten:

Authentic PR will not make careers out of alienation: We will understand ourselves and our world only by seeking to CHANGE OURSELVES!

Es muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass der Preis für diese Veränderung und das Niederreißen von Gedankenbarrieren in der klassischen PR als Test der Authentizierung eben von einer jenen PR, die sich um die Sicherheit ihrer Resultate Sorgen macht anstatt sich um die Bedeutsamkeit der Resultate zu kümmern, für zu kostspielig und risikoreich angesehen wird. Dies verweist uns dann auf das wirkliche Dilemma der Gebrochenheit oder der potentiellen und nie auszulöschenden Inauthentizität der Public Relations: Entweder man ist PRler nach klassischem Business-Kanon, dann kann man nicht von Authentizität, sondern nur von reliability/validity sprechen; oder man sucht nach Bedeutungsträchtigkeit durch Rückbezug auf sich selbst, dann gehört man nicht mehr zum anerkannten PR-Proficlan und verliert ggfs. Kunden, z.B. da man deren Produkte nicht mehr gewissensbefreit bewerben kann oder will (Bsp. Pharmabranche). Jedoch ist eine authentische Weblog-PR ohne eine Hinwendung auf einen gewissen transzendentalen Wert eben nicht möglich, wie uns alle bisher bekannten gescheiterten Versuche zeigen. Das bedeutet, dass der PRler eben nie ganz sich der “Selbstironie” noch ganz dem “schöpferischen Akt” hingeben kann; im ersten Fall wäre er zu distanziert, im zweiten zu befangen. Andererseits ist eben die Ironie, insbesondere die Selbstironie, genau das Heilmittel gegen das, was ein schlauer Mann einmal als das priesterliche, allwissende Gebaren der PR bezeichnet hat, während die Unsicherheit das Merkmal des Hofnarren bleibt. Der PRler, der authentisch bleiben will, wird sich wohl oder übel mit dieser Rolle des verunsicherten Verunsicherers begnügen müssen. Um von der eigenen Befangenheit loszukommen, muss er also in jene Befangenheit eines Teilnehmers an der Blogosphäre eintauchen, die seine Authentizität erst möglich macht. Die Unbefangenheit gegenüber sich selbst erreicht er aber nur durch das Risiko der dauernden Befangenheit in und Loyalität zur Blogosphäre.

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Völlig frei nach einer völlig frei gekürzten und zerwürfelten Version von:

Köpping, K.P. 1987. Authentizität als Selbstfindung durch den anderen: Ethnologie
zwischen Engagement und Reflexion, zwischen Leben und Wissenschaft. In H. P. Duerr (Hg.), Authentizität und Betrug in der Ethnologie. Frankfurt am Main: Surkamp, pp. 7-37.

Für solcherlei Text-Experimente, die ich ganz gerne mache und dabei einfach den ein oder anderen Begriff durch einen ein oder anderen ersetze, mache ich eine Kategorie auf.